Ein weit verbreiteter Irrtum ist es zunächst, dass Kreditkartenzahlungen „unsicher“ sind. Zumindest gibt es dazu eine Reihe von Missverständnissen. In der Wirklichkeit ist die Zahlung mit Kreditkarte sowohl für Händler als auch Kunden eine der sichersten Zahlungsarten, bei denen nicht unmittelbar Geld gegen Ware getauscht wird.

Im Klartext: Nachnahme und Vorkasse sind natürlich für den Händler sicherer, aber diese sind gleichzeitig bei den Kunden am unbeliebtesten. Dazu müssen Sie nicht einmal einer der vielen Studien Glauben schenken, sondern fragen Sie einfach einen beliebigen Händler, der noch andere Zahlarten anbietet. Die Wetten stehen gut, dass Vorkasse und Nachnahme nicht die meistgewählten Zahlungsarten sind. Und unter den kundenfreundlicheren Zahlungsarten (Lastschrift, Rechnung, Kreditkarte…) ist die Kreditkarte das Zahlungsmittel mit dem geringsten Ausfallrisiko.

Die Rückbuchungsraten für Händler sind sehr gering. So sprach z.B. auf dem 6. Kartenforum im Jahr 2004 ein Redner der Landesbank Berlin als grösstem deutschen Kartenherausgeber von einer durchschnittlichen Rückbelastungsquote von nur 0,4%. Der Betreiber des Onlineshops Poster.de hatte bei gleicher Gelegenheit Rücklastquoten von 1 – 1,5% zu melden. Meine eigenen Praxiserfahrungen sind sogar noch besser: im Internet-Versandhandel hatten wir über Jahre Rücklastquoten von unter 1 Promille (0,1%), also bei 10.000 Transaktionen weniger als 10 Rückbuchungen!

Ehrlich und objektiv ausgewertet kamen wir sogar dahinter, dass die Zahlart Nachnahme mit ihren Rücksendungen durch nicht abgeholte Pakete, Verluste bei Mehrpaketsendungen (das Paket ohne den Nachnahmeaufkleber wird immer angenommen, das mit Nachnahme kommt zurück…), Schluderei der Paketdienste bei der Überweisung der Nachnahmebeträge, zähe Nachforschungen nach fehlenden Überweisungen usw. für uns in der Gesamtheit teurer war, als die Zahlung per Kreditkarte, trotz Disagio und Transaktionskosten…

Sicher hängen die Rücklastquoten aber auch von der Branche ab, von den belieferten Ländern und vom verkauften Produkt – bei Softwaredownloads und anderen „virtuellen“ Produkten wie Mitgliedschaften und bezahlte Inhalte und Zugänge könnten die Rücklastquoten daher höher sein.

Beachten Sie dabei auch bitte, dass es sich bei Rückbuchungen nicht notwendigerweise nur um Betrügerei handelt. Rücklasten entstehen auch.durch Missverständnisse und Ungereimtheiten bei der Bestellung oder unzufriedene Kunden – es genügt oft ein Anruf des Kunden bei der Kartengesellschaft und die Zahlung wird storniert.

Lohnt sich die Kreditkarte als Zahlungsinstrument für Online-Händler?

In den meisten Fällen: ja. Natürlich kenne ich nicht Ihre Produkte, Preise, Wettbewerbsumfeld, Märkte, Kunden, Zielgruppen usw. aber es gibt nur einen wirtschaftlichen Grund gegen die Akzeptanz von Kreditkarten: Sie handeln mit zu geringen Gewinnspannen (in diesem Fall wird die Einführung neuer Zahlungsarten aber vielleicht ohnehin nicht zu Ihren Hauptsorgen zählen, denn Sie haben ja schon genug mit den „verrückten Wettbewerbern“ zu tun, die immer „alles unter Einkaufspreis verramschen“ und Sie klicken sich den ganzen Tag auf Preisvergleichsseiten durch oder ähnliches… )

Für alle anderen gilt: die zusätzlichen Kosten, die bei einer Kreditkartentransaktion anfallen, werden meist durch Mehr-Umsatz und andere positive Effekte dieser Zahlart wieder wettgemacht.